Redaktionelle und kommerzielle Kommunikation

RedaktionelleundkommerzielleKommunikation

 

SexistischeWerbung 

Sexistische Werbung? (Photograph: Manfred Baumann, Agentur: z-works / © Bildzitat) / MMW, S. 25

Die Unterscheidung in kommerzielle und redaktionelle Kommunikation spielt vor allem bei der Anwendung von berufsethischen Grundsätzen eine Rolle. Auf die kommerzielle Kommunikation kommen die Lauterkeitsgrundsätze der Schweizerischen Lauterkeitskommission und als Beschwerdeinstanz die Lauterkeitskommission zur Anwendung, auf die redaktionelle (ideelle) Kommunikation die Erklärung und Richtlinien des Presserates mit dem Presserat als Beschwerdeinstanz. Zu den Sonderregelungen für Radio/Fernsehen und zu den Beschwerdemöglichkeiten bei der Unabhängigen Beschwerdeinstanz (UBI): vgl. Kapitel Sondervorschriften.

Redaktionelle Kommunikation

Die redaktionelle Berichterstattung ist privilegiert, z.B. dort, wo es um Eingriffe in Persönlichkeitsrechte und Urheberrechte geht (vgl. Kapitel Medienprivilegien). Im Zusammenhang mit einer redaktionellen Berichterstattung darf sachbezogen auch ohne Einwilligung eines Abgebildeten ein Bild der Person veröffentlicht werden (v.a. bei Personen der absoluten und relativen Zeitgeschichte). 

Medienschaffende sind vorrangig der Wahrheitssuche verpflichtet (Richtlinie/RL 1.1.). Zu beachten ist sodann das Gebot der (erkennbaren) Trennung von Fakten und Kommentar (RL 2.3), die Trennung von öffentlicher Funktion und Journalismus (RL 2.4), die Anhörungspflicht bei schweren Vorwürfen (RL 3.8), die Grundsätze betreffend Unschuldsvermutung (RL 7.4*), Namensnennung (RL 7.2) sowie auch das Gebot der Trennung zwischen redaktionellem Teil und Werbung (RL 10.1). Letzteres gilt analog in der kommerziellen Kommunikation: Lauterkeits-Grundsatz 3.12 verlangt explizit die Kennzeichnung und Erkennbarkeit der kommerziellen Kommunikation, das Verbot der Schleichwerbung.

Die Annahme von Einladungen und Geschenken ist zwar nach RL 9.1 (Unabhängigkeit) zulässig, aber nur soweit diese das übliche Mass nicht übersteigen (vgl. dazu auch Art. 11 Kodex von Lissabon) und auf keinen Fall die Recherche beeinflussen. Schliesslich muss generell die Menschenwürde (RL 8.1) sowie auch ein Diskriminierungsverbot (RL 8.2) beachtet werden. Nicht explizit erwähnt werden das sogenannte Recht auf Vergessen, das Recht am eigenen Bild und Wort, das Recht auf richtige Zuschreibung, bzw. Abschreibung von falsch Zugeordnetem. 

*RL 7.4 Unschuldsvermutung: Bei der Gerichtsberichterstattung wägen Journalistinnen und Journalisten Namensnennung und identifizierende Berichterstattung besonders sorgfältig ab. Sie tragen der Unschuldsvermutung Rechnung. Nach einer Verurteilung nehmen sie Rücksicht auf die Familie und die Angehörigen der/des Verurteilten, wie auch auf die Chancen zur Resozialisierung.

Social Media: Die berufsethischen Grundsätze des Presserates gelten nicht für alle Online-Medien und schon gar nicht für alle Formen von Social Media. Denn: Adressaten der berufsethischen Normen der «Erklärung» sind nur die „Berufsjournalistinnen und –journalisten“, die bei der Recherche und Bearbeitung von Informationen im redaktionellen Teil aktualitätsbezogener öffentlicher und periodischer Medien mitwirken. Verleger fordern deshalb in Sachen Verantwortlichkeit "gleich lange Spiesse". Auch die Betreiber von Social-Media-Plattformen sollen für die Inhalte verantwortlich sein (vgl. Kapitel Verantwortlichkeit und Haftung im Internet).

 Tipps: "Glatteis für Medienschaffende" (Beitrag von Bruno Glaus in der NZZ vom 13.04.2002); „Publireportage mit Nachspiel: KMU-Magazin gegen KMU-Manager" (erschienen in: "persönlich", Stand 2006); Stellungnahmen des Presserates

Kommerzielle Kommunikation

Lauterkeitsgrundsatz 1.2 definiert den Begriff der kommerziellen Kommunikation wie folgt: "Unter kommerzieller Kommunikation ist jede Massnahme von Konkurrenten oder Dritten zu verstehen, die eine Mehrheit von Personen systematisch in ihrer Einstellung zu bestimmten Waren, Werken, Leistungen oder Geschäftsverhältnissen zum Zweck des  Abschlusses eines Rechtsgeschäftes oder seiner Verhinderung beeinflussen."

Auch in der kommerziellen Kommunikation gibt es über die gesetzlichen Schranken hinaus selbstverordnete Branchengrundsätze (www.lauterkeit.ch). Wer als Konsument oder Mitbewerber der Auffassung ist, ein Marktteilnehmer habe gegen diese Grundsätze verstossen, kann bei der Lauterkeitskommission relativ formfrei eine Beschwerde erheben. Kosten werden nur dort erhoben, wo ein direktes eigenes Interesse im Spiel steht.

Es gibt Verhaltensweisen, welche "nur" gemäss ethischen Normen verpönt, nicht aber gesetzlich unzulässig sind. Die Veröffentlichung einer sexistischen Abbildung in der kommerziellen Kommunikation ist weder strafbar noch zivilrechtlich in jedem Fall unzulässig, sie verstösst aber unter Umständen gegen Lauterkeitsgrundsatz 3.11. 

Lauterkeitsgrundsatz 3.11:

1. Werbung, die ein Geschlecht diskriminiert, indem sie die Würde  von Frau oder Mann verletzt, ist unlauter.

2. Geschlechterdiskriminierende Werbung liegt insbesondere vor, wenn Männern oder Frauen stereotype Eigenschaften zugeschrieben werden und damit die Gleichwertigkeit der Geschlechter in Frage gestellt wird; Unterwerfung oder Ausbeutung dargestellt oder zu verstehen gegeben wird, dass Gewalt oder Dominanzgebaren tolerierbar seien; das Kindes- und Jugendalter nicht mit erhöhter Zurückhaltung respektiert wird; zwischen der das Geschlecht verkörpernden Person und dem beworbenen Produkt kein natürlicher Zusammenhang  besteht; die Person in rein dekorativer Funktion als Blickfang dargestellt wird; eine unangemessene Darstellung von Sexualität vorliegt.  

Lesetipps: "Wir wollen kein Blut sehen" (Interview mit dem Sekretär und Geschäftsführer der Lauterkeitskommission, April 2000); "Corporate Publishing ist nicht gleich Werbung" (erschienen in: "persönlich", Stand 2000);  Stellungnahmen des Presserates„Publireportage mit Nachspiel: KMU-Magazin gegen KMU-Manager" (erschienen in: "persönlich", Stand 2006